An der Wiesbadener Straße in Schmargendorf kein Klein-Manhattan!

von Jenny Schon

Bereits in meinem Artikel in der Kiezzeitschrift „Berlin dabei“ 16/2015 habe ich auf die Gefahren hingewiesen, die eine unsinnige und unnötige Verdichtung für Berlin bringen wird.

Als Stadtführerin besonders im Südwesten von Berlin wird mir immer wieder bestätigt, wie wunderschön gerade durch die Vielfalt der verschiedenen Orte Berlin, besonders der Südwesten, grün und gediegen ist.

Das hat natürlich seine historischen Vorgaben, die noch im Kaiserreich liegen, wo nicht nur der Adel hier seine Sommerfrische hatte, sondern auch das aufkommende Bürgertum aus Berlin sich hier wegen der guten Luft und Infrastruktur (Eisenbahn) seine Villenkolonien schuf.

Auf den noch vorhandenen Grünflächen wurden in den Jahren um den 1. Weltkrieg und danach die berühmten Reformsiedlungen geschaffen, in Zehlendorf, am Rüdesheimer Platz, die Künstlerkolonie, aber auch die Siedlungen an der Wiesbadener Straße sind heute denkmalgeschützt, so dass von Friedenau über Wilmersdorf bis nach Schmargendorf eine interessante Siedlungsgeschichte von gut hundert Jahren nachzuvollziehen ist.

Um 1960, in den Jahren um den Mauerbau, wurde auf ehemaligem Kleingartengebiet, Westberlin war eingemauert und hatte keine Erweiterungsmöglichkeiten, ein im Stil der Bauhausarchitektur und in Anlehnung an die Internationale Bauausstellung 1956 im Hansa-Viertel ein Ensemble geschaffen, dass der Architekt mit Bauhaustradition (Kreuzberg) Wilhelm Vormeier entworfen hat. Für die Genehmigung der drei sechsstöckigen Torhäuser wurde 1965 eine Senats-Verordnung erlassen, die die umgebenden Freiflächen als unüberbaubare Grünflächen ausweist.

Diese seither als geschützte Grünanlage deklarierte sogenannte Wiese am Cornelsenweg soll jetzt bebaut werden, sowie die mit altem Baumbestand umgebenen Parkplätze.

Gegen diese Bebauung hatten Bürger mit ca. 2000 Stimmen einen Einwohnerantrag eingereicht, der allerdings von der Mehrheit der BVV abgelehnt wurde. Die Bebauung wurde zwar modifiziert, jedoch der Neubau von ca. 100 hochwertigen Wohnungen in fünf- bis sechsstockigen Blöcken für einen qm-Preis von 8,50-12,50 Euro nicht reduziert oder zurückgenommen.

Wenn die Bebauung der Kolonie Wiesbaden, die an die Wiese des Cornelsenwegs anschließt, mit einer sechsstöckigen Randbebauung ab 2020 vorgenommen wird, ist eine unzumutbare, weil gesundheitsschädliche Verdichtung der Wiesbadener Straße die Folge, da in unmittelbarer Nähe die Autobahn-Überbauung Schlangenbader Straße existiert mit mehreren tausend Einwohnern und die daran anschließende Schildhornstraße eine der feinstaubbelasteten Straßen Berlins überhaupt ist.

Gegen den Raubbau und die Vernichtung von Grün im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ist ein Bürgerbegehren beantragt.

Es wird für das noch vorhandene Grün im Bezirk ein ähnlich verbindlicher Vertrag gefordert wie der Dauerwaldvertrag, den unsere Vorfahren bereits 1915 für den Erhalt des Berliner Waldes abgeschlossen haben.

Für dieses Bürgerbegehren benötigen wir ca. 10.000 Stimmen. Wir bitten daher, sich in die ausliegenden Listen gegen die Vernichtung von Grün und die Zubetonierung unseres Bezirks einzutragen.